Fremder

Absurd. Stell´ dir vor, du bist ein „Fremder“. Kommst aus Afrika. Bist dunkelhäutig. Und hast es mit deiner Flucht geschafft über zig Grenzen in dir ein fremdes Land zu kommen. Dort sind alle weiß. Die Sprache ist dir fremd. Unbekannte Musik tönt aus den Lautsprechern. Der Rhythmus ist dir nicht geläufig. Dir ist nach tanzen.

In deinem Land ist Tanz ein Stück Leben. In diesem Ort sitzen die Menschen stumm auf den Stühlen. Du weißt nicht, was du machen sollst. Bei dir zu Hause kannst du die Frauen einfach ansprechen. Sitzt auf einem roten Plastikstuhl. Solche wie es zu 1000en auch in deiner Heimat gibt. Bist allein und schaust.

Berührung würde dir jetzt gut tun und gefallen. Wann war es das letzte Mal, wann es passiert ist?

Hast dich getraut. Auf und davon. Aus scheinbar auswegloser Situation. Bespitzelung herrschte in deinem Land. In welcher Situation bist du nun?

Die Gewalt ist eine andere geworden. Welcher Form bist du nun ausgesetzt? Lohnt sich dieser Weg?

Die Tage unterwegs. Den Himmel mal wieder in der Ferne betrachten. Ich bin beschämt und traurig. Und öfters die Erkenntnis – es ist “halt” so. Wir fliehen von grauem Himmel und zugiger Luft. Fahren in andere Länder, nutzen dort die Struktur. Einige bis viele setzen sich mit ihren Fahrzeugen eklatant über sämtliche Regeln hinweg. Finden es cool – posten ihre Bilder freizügig mit ihren Mißständen. Werden von anderen dafür bewundert oder mit Daumen nach oben bewertet. Uns wird nachgesagt aus dem Land der Dichter und Denker zu kommen. Menschen die Präzision herstellen und denen auch inne wohnt. Bei den Erlebnissen und Bildern in Europa hätte ich keine schöne Antwort für den Menschen, der das Wagnis auf sich genommen hat. In die Ferne zu gehen und Träume zu haben. Sollte ich ihm sagen – bleib´ bei deiner Qual – hier ist es ein anderer Schein und Trug?

unterwegs check home

Unterwegs ist dann heute wieder zu Ende. Check Home. Check in. Check out. Es war wieder mal. Interessant. Weitblickend. Bedrohlich. Nahe dem letzten Abgrund. Bin dann wieder zu Hause. Noch einen Tag mit den letzten, starken, bitteren Pillen. Fieber ist ganz weg. Mein Blut darf sich neu orientieren. Ich werde mir neue Fragen stellen. Die Antworten kenne ich meist. Den Zusammenhang erfahren und wieder und wieder erstaunt sein. Wie einfach diese Welt ist. Danke. Danke für die erteilte Hilfe. Danke für die Rückmeldungen. Ich freue mich ein clabaudrio zu sein. 🙂

unterwegs dankbar

Zum Einschlafen war ich die Tage im Krankenhaus öfter am hadern mit mir. Eine Blutvergiftung ist nicht wirklich erfreulich. Hast du das “richtig” so gemacht? Hätte diese Reise in der Form denn sein müssen. Wo warst du nicht sorgfältig genug? Und so weiter. Das, was wahrscheinlich jeder für sich kennt. Und vor allem finden sich keine Antworten auf unsinnige Fragen. Weil meist hat alles einen Sinn und ich verstehe ihn eben nicht. Vielleicht ist da das Sternzeichen Schütze besonders impulsiv! Anyway.

Wie also dieses Karussell – den Schaustellerbetrieb in diesem Fall gewollt einstellen, anhalten und einschlafen? Schlicht und einfach. Ich habe ihm die Fragen entzogen und mich für den Tag angefangen zu bedanken. Und mir scheint dabei ist wichtig den Dank an sich zu verstehen. Also nicht: danke liebes Leben, dass ich heute fliessend Wasser haben durfte. Oder: danke lieber Gott, dass ich heute einfach Strom hatte. Diese Gedanken kommen besonders dann, wenn Mann mit einem kleinem Wohnfahrzeug unterwegs ist. Da ist Wasser und Strom immer ein Thema. Jeder der auf “Camping” war, kennt das.

Und so habe ich begonnen:

Danke dass ich mich heute nicht um das Wasser kümmern mußte. Danke dass ein Mensch die Wasserleitung gelegt hat. Danke dass eine Verkäuferin mir den Hahn für das Wasser verkauft hat. Danke dass das Waschbecken sauber war. Danke dass ich Zahnpaste hatte für meine Zähne. Danke dass ich ein sauberes Handtuch zum abtrocknen hatte. Danke dass Unterwäsche für mich parat gelegt war. Danke dass ich diese bittere Medizin im Moment nehmen kann. Danke dass ein Labor herausgefunden hat, was in meinem Blut los ist. Danke dass ich heute essen konnte. Danke dass ich heute trinken konnte. Danke dass ich heute beim entgegen kommen im laufen angelacht wurde. Danke dass die Ärzte mit meinem Wesen Geduld hatten. Danke dass ich die Ergebnisse verständlich gemacht bekommen konnte. Danke dass ich es heute warm hatte. Danke dass ………

Irgendwann konnte ich in meinem Elend im Bett liegend grinsen und vor lauter Ideen, wem ich noch alles DANKE sagen kann und will, bin ich eingeschlafen. Wow. Einfach so. Danke. Probiert es einmal aus. Ist ein tolles Gefühl. Wirkt. Ich habe das jetzt schon zwei Nächte so hintereinander gemacht. Schlicht, einfach und das scheinbare Elend verfliegt.

unterwegs aufgelesen

Irgendwie habe ich im Körper gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Dann sind die Schüttelfröste aufgetreten. Und es wurde immer schlimmer. Krankenhaus ist angesagt. Liege nun auf der Isolierstation. “Blutvergiftung” war die schlichte Aussage. Nun hänge ich am Tropf. Einige Infusion sind in meinem Körper gelaufen. Puh. Das wird heftig werden.

unterwegs zwei Katzen

Gestern Abend trafen sich zwei Katzen oberhalb in ihrer Gasse. Die eine legte lässig ihren Schwanz die Treppe hinab. Die andere meinte, ob dass nicht leichtsinnig sei. Der Abend ging ein Weile dahin in dem üblichen Geplänkel, was Katzen sich erzählen. Die Maus hatte nochmal Glück gehabt. Frech war sie unterhalb des roten Schwanzes lang spaziert. Hatte kurz überlegt, ob sie sich an dem flauschigen Ende ausruhen sollte und etwas Wärme holen sollte. War ihr doch zu riskant und sich flitzte weiter. Mir selbst zeigte sich, dass in der Nacht nicht alle Katzen grau sind. Das war mir irgendwie schon klar, aber jetzt habe ich es nochmal gesehen.

unterwegs Muskateller

Oh ja! Yamieh. Heute habe ich wieder einen spanischen süßen Weißwein gefunden. Erst dachte ich, ein “roter” wäre mir besonders recht. Mein spanischer Wortschatz radebrechte so daher. Die Verkäuferin hatte große (und auch ein wenig schöne 😉   ) Augen und meinte Vino dulce und zeigte mir diesen. Ach diese Flasche – die wird den Inhalt schon richten (und mich wahrscheinlich danach auch). Ich habe die Flasche gekauft. Schaut so verführerisch aus. Und der Geschmack hat sich als himmlisch heraus gestellt. Das Auge trinkt eben mit. 🙂

unterwegs Dezember

Seit Tagen am Meer immer wieder die gleichen Bilder. Meistens über hundert Meter lang.

Was sagen die Veganer als Leser dieser Zeilen? Ist Käfighaltung sinnvoll? Ist das der Sinn der mitdenkenden Rasse? Ist Massenhaltung wirklich so gefährlich, wie immer wieder beschrieben? Oder doch alles halb so wild? Wieso macht diese Rasse das mit sich? Kommt da jemand von oben mit einem großem Löffel und gibt Futter in die kleinen Kästen? Ist das sonniges Sterben oder einfach billige Massenhaltung? Ich verstehe es nicht, es macht mich betroffen und ich bin entsetzt über die Freiwilligkeit sich dahin zu begeben. Und das begegnet mir schon seit einigen hundert Kilometern. Ja. Es ist Dezember. Ja. Der Himmel ist blau. Und – ja – es ist am Meer. Bestimmt wohnt dort kein einziger Veganer. Vielleicht doch.

gehen oder bleiben?

Heute fiel bei mir der erste Schnee im November. Ich stelle mir seit Jahren die selbe Frage: Bleibe ich hier in der Gegend – oder fahre ich Richtung Süden? Das GRAU und das kalte Sein missfällt mir seit vielen Jahren. Ich bin im Winter geboren. Schnee wurde sozusagen um meine Wiege herum gelegt. Und ich kann den Schnee nicht leiden. Ja. Für viele Jahre ist er schon mein Begleiter. Als Kind konnte ich die Freude für das Schlitten fahren nicht teilen. Ski und Berge runter rutschen – das selbe in anderem weiß. Für mich persönlich ziemlicher Unfug. Meine eh schwächeren Kräfte dann mit Matsch, Eis und nass teilen. Dicke Kugeln rollen. Zwei schwarze Eierkohlen und ´ne Karotte. Und so anderer Zierrat. Das sollte dann ein Mann sein? Ich verstehe es heute nicht, gestern nicht und auch morgen voraussichtlich nicht. Die Erziehungsparole von durchhalten und süßem Kram hat Spuren hinterlassen. Ich komme immer noch nicht klar mit dieser Zeit.

Diesen Winter habe ich die Möglichkeit mich in meinem kleinen Bus zu setzen und in ein anderes Licht zu fahren. Einige Fragen kann ich nicht gut klären. Unterwegs sein auf Campingplätzen und dann in Reih und Glied stehen mit anderen auf und davon gefahrenen. Sie habe ihre Reihenhäuser zugesperrt und stehen nun mit ihren Reihenautos in ähnlichen Parzellen. Jetzt in anderem Licht. Stellt es sich wirklich in anderem Licht dar? Sie tragen nun ihr Trinkwasser in ihren Bus. Schauen und vergleichen. Das haben sie doch ihr Leben lang gemacht. Gearbeitet bis zur Rente. Und nun wird es als Freiheit bezeichnet. Ich kann schwer daran glauben. Sie berichten immer wieder, dass sie das toll und Klasse finden. Mir fällt der Gedankengang nicht leicht. Überwintern in Spanien, Portugal, Marokko oder Thailand. Am besten mit Schnitzel und Pommes.

Urteilen steht mir nicht zu. Kenne selbst meine eigenen Wege, die ich begehe und für passend halte. Das findet auch nicht jeder Klasse. Wir leben in einer vernetzten Welt. Bilder und Meinungen sind in kurzer Zeit online und von jedem lesbar und kommentierbar. Ich verstehe gut andere Länder und Orte, die es ziemlich unschön finden, vor ihrem Garten laute Menschen zu haben. Mir würde es auch nicht gefallen, wenn vor meinem Garten zehn große fremdländische Fahrzeuge mir die Sicht belegen. Diese möglicherweise ihr Abwasser in den Garten schütten und mir ihre Bananenschalen über den Zaun legen. Mit dem Argument: ist doch Bio.

Ich werde es nicht klären können. Das mit der Lupe betrachten der Situation wird es auch nicht einfacher machen. Tatsache ist, alle meine Handlungen hinterlassen in irgendeiner Form Fußabdrücke in der Landschaft. Ich will versuchen, in der Gegend zu sein, wie eine laue Brise. Hindurchgehuscht und der Wind trägt die Klänge der Reise in die Welt und lässt uns in Frieden sein.

Lieblingstasse

Heute morgen ist es passiert. Niemand konnte es mir erklären. Ob sich das schon lange vorher angezeigt hat. Oder einfach so zufällig bzw. spontan vor sich ging. Ich konnte es ja eigentlich voraus sehen. 

Jahrelang hattest du mich begleitet. Ich dich gepflegt. Geputzt und gewaschen. Habe dir immer einen guten Platz gegeben. Wir haben uns lange berührt. Mit Händen und Lippen. Ja. Es war oft sehr sinnlich. Und stimmt. Geteilt hatte ich dich auch. Mit anderen. Frauen, manchmal auch Männern. Manchmal war es grenzwertig. Ob das ein Grund für dein zerbrechen war? Wenn ich dich jetzt in die Hand nehme und berühre, schneide ich mich an deinen scharfen Kanten. Früher warst du so weich und so glatt. Ich kann dich auch nicht kleben oder flicken, wie man das manchmal beim Doktor machen kann. Ich kenne keinen Tassendoktor. Und ja – ich habe noch mehrere Tassen im Schrank. Was soll ich nun meinen besten Freunden sagen? Bist du an mir zerbrochen? Oder standest du unter Anspannung und es hat dich zerrissen? Das kommen und gehen im Leben. Ja. Aus Erde bist du entstanden. Mit Feuer wurdest du gehärtet. Jetzt läufst du aus. Kannst den Tee nicht mehr halten. Und meinen Kaffee erst recht nicht mehr. Was macht Mann mit einer alten Tasse? Und mit der Zeit werden es gar weniger Tassen im Schrank. Ich bin traurig darüber. Das wird eine Zeit dauern den Verlust zu begreifen. Naja. “Begreifen” macht jetzt mit dir auch keinen wirklichen Sinn mehr. Schön war es mit dir. Danke für die vielen gemeinsamen verbrachten Jahre. Leider habe ich kein Bild mehr, wie du zu mir gekommen bist. Es war oft sehr schön mit dir. Auch wenn es manchmal recht heiß war.

 

 

Fortschritt

diese Tage beim Fahrrad fahren:

Bewegung gibt Fortschritt.
Fortschreiten durch Bewegung.
Fortschreiten ist Bewegung.
Die Entwicklung ist vorangeschritten.
Voranschreiten ist Entwicklung.
Entwicklung ist vorwärts und rückwärts.
Ist Fortschreiten auch Rückwärts möglich?
Ist Fortschritt Bewegung?
Ist Bewegung Fortschritt?
Ist ein Beweger fortschrittlich?
Ist es fortschrittlich sich zu bewegen?

Maskerade

Kennst du das ? Du willst jetzt einfach nur sein. Genug geredet, genug gedacht. Dir ist einfach nach sein – mit dem anderen. Genug aller Schleier – die Vorhänge fallen. Bist jetzt einfach da. Nichts ist wirklich wichtig. Genug der vielen und unsinnigen Worte. Da sein.  Ja – der andere ist auch da! Die Maskerade darf gehn´ und bleiben wo sie wohnt. ich bin – du bist / Und: es ist gut – es ist fein. Dein Tag zieht in den Abend.  Kennst du das?