Wunsch

Ein Mensch, der einen Glückspilz sieht,
Dem alles ganz nach Wunsch geschieht,
Verlangt vom lieben Gott das gleiche,
Dass er auch mühelos erreiche
Die schönsten Sachen dieser Welt,
Und Gott, dem zwar der Wunsch mißfällt,
Beschließt in seinem wunderbaren
Ratschluss, ihm scheinbar zu willfahren.
Der Mensch, der sonst mit Herzenskräften
Und stark gebrauten Seelensäften
Der spröden Welt das abgewonnen
Was sie zu schenken nicht gesonnen,
Spürt jäh, wie sehr sehr sich auch stemmt,
Vom Glanz der Welt sich überschwemmt.
Das ganze Bollwerk der Gedanken
Beginnt vor diesem Schwall zu schwanken,
Mühsam gehegte Herzensfrucht
Reisst mich sich die Wogenwucht.
In solcher Not wird ihm klar,
Wie töricht sein Verlangen war.
Von nun an lebt er höchst bescheiden
Im Regenhag der eignen Leiden
Und keltert sich, in milder Sonne
Gereift, den Wein der eignen Wonne.
(Gedicht von Eugen Roth, Buch sämtliche Menschen, Lyrik)bahngleis

Rauhnächte

Es ist eine besondere Zeit,
die der Rauhnächte,
in der die längste Nacht auf den kürzesten Tag trifft;
wo das Alte noch nicht vollständig gegangen
und das Neue seinen Auftritt bereits ersehnt.
Die Zeit zwischen den Jahren, die Niemandszeit sozusagen,
in der das Überirdische mit dem Unterirdischen in Wettstreit tritt.
Sie ist der unerschöpfliche Nährboden für Sagen,
Mythen und Legenden – Ursprung für die unheimlichen Geschöpfe
der Bayerischen Rauhnacht: Druden, Hexen,
Frau Percht, die Luz, Waldschrate und Holzweiblein,
Diabolo höchstpersönlich, Gevatter Tod und natürlich
Göttervater Wotan mit seinen Dämonen der Wilden Jagd.

„Jenseits des Verstandes existiert eine Welt,
eine Welt in der die Realität wie ein Eindringling wirkt.
Eine Welt in der unsere Träume schlummern …
Weckt sie wieder auf und erzählt Geschichten!
Öffnet die Schatzkammer Eurer Phantasie!“