Wunsch

Ein Mensch, der einen Glückspilz sieht,
Dem alles ganz nach Wunsch geschieht,
Verlangt vom lieben Gott das gleiche,
Dass er auch mühelos erreiche
Die schönsten Sachen dieser Welt,
Und Gott, dem zwar der Wunsch mißfällt,
Beschließt in seinem wunderbaren
Ratschluss, ihm scheinbar zu willfahren.
Der Mensch, der sonst mit Herzenskräften
Und stark gebrauten Seelensäften
Der spröden Welt das abgewonnen
Was sie zu schenken nicht gesonnen,
Spürt jäh, wie sehr sehr sich auch stemmt,
Vom Glanz der Welt sich überschwemmt.
Das ganze Bollwerk der Gedanken
Beginnt vor diesem Schwall zu schwanken,
Mühsam gehegte Herzensfrucht
Reisst mich sich die Wogenwucht.
In solcher Not wird ihm klar,
Wie töricht sein Verlangen war.
Von nun an lebt er höchst bescheiden
Im Regenhag der eignen Leiden
Und keltert sich, in milder Sonne
Gereift, den Wein der eignen Wonne.
(Gedicht von Eugen Roth, Buch sämtliche Menschen, Lyrik)bahngleis

Ein Gedanke zu „Wunsch“

  1. Wie wahr, wie wahr.
    Und mir wird’s klar, so reich und anders wie wir meinen, ist unsere Vielfalt die anders doch so scheine im eigenen Erleben, doch die Gleiche – egal wie unser Name so er – scheine.

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