griechische Mythologie

Auf der Fähre nach Patras. Die Brücke zum Peleponnes ist sichtbar

Vielleicht habe ich heute wieder einen dieser Tage über den Sinn des Lebens zu überlegen. Liegt es an der Ruhe des Ortes? Ist es die Melancholie der Südsee?

Ne. Quatsch – hier das Mittlere Meer.

Ich lese eben ein e-book mit Geschichten von griechischen Göttern:

“Der Bogen, den die griechischen Mythen zeichnen, folgt dem Aufstieg des Menschen, seinem Kampf, sich von den Übergriffen der Götter zu befreien – ihren Misshandlungen, ihrer Einmischung, ihrer Willkürherrschaft über das Leben der Menschen und ihre Zivilisation. Die Griechen krochen nicht vor ihren Göttern.

Sie kannten deren eitles Bedürfnis, angefleht und verehrt zu werden, glaubten aber, ihnen ebenbürtig zu sein. Ihre Mythen illustrieren, dass, wer immer diese unergründliche Welt mit ihren Grausamkeiten und Wundern, ihren Launen, Schönheiten, Verrücktheiten und ihrer Ungerechtigkeit erschaffen hat, ebenfalls grausam, wunderbar, launisch, schön, verrückt und ungerecht gewesen sein muss: Die Griechen schufen sich Götter nach ihrem Ebenbild: kriegerisch und schöpferisch, weise und bösartig, liebevoll und eifersüchtig, zärtlich und brutal, leidenschaftlich und rachsüchtig zugleich.

Mythos beginnt mit dem Anfang, hört aber nicht mit dem Ende auf.

Wenn Sie sich beim Lesen fragen, was die Griechen veranlasst hat, eine derart raffinierte Fülle von Figuren und Ereignissen zu erfinden, und wenn sie sich dabei ertappen, über die tiefen Wahrheiten nachzugrübeln, für die diese Mythen stehen – nun, das ist sicher ein Teil des Vergnügens.”

(Zitat aus Stephen Frey – Was uns die Götter heute sagen / erschienen im Aufbau-Verlag)

Ein herrlicher Anfang für mich. Um was geht es „eigentlich“ auf diesem Planeten? Essen? Trinken? Männer? Weiber? Autos? Sex? Sonnenschein? Nachbarn? Tempolimit? Wahlen? Schnaps? Marmelade?

Ich komme nicht dahinter.

Bis jetzt sind mir allerlei Menschen und ihre Geschichten begegnet.

Eine scheinbare friedliche Frau aus dem Norden von Deutschland, die ihrem Körper kettenrauchend alle fünf Minuten eine Zigarette verpasst. Literweise schwarzen Kaffee dazu trinkt. Ihren Mann durch die Krankheit Krebs verloren hat und über soziale Kompetenz berichtet, die in ihr wohne.

Ein joggender Mann in Griechenland, der durch ziemlich wilde Natur rennt. High-Tech angezogen ist. Die Duftspur von Waschmittel und Weichspüler hinter sich her zieht, dass ich ihn noch nach zweihundert Metern rieche.

Ein Mann – zehn Jahre älter als ich, scheinbar „Top in Form“, gute Figur, nette Ausstrahlung – wieder oder immer noch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Jahrzehnte verheiratet. Kinder in die Welt gesetzt. Sie wohl erzogen. Scheinbar wohlhabend im Status. Durch die Welt gereist mit Frau und Kinder. Offen im Geist. Viel bedenkend. Jetzt in Amerika lebend mit seiner deutschen Herkunft. Viele Details, wo ich dachte: Oh wow, das hätte mir auch gefallen können! Und nun der Beschluss der Frau: Aus. Ende. Rien ne va plus. Scheidung! Was soll das denn? Und darum muss er jetzt erst noch mal nach China. Er wäre dort noch nicht gewesen. Die chinesische Mauer und so entlang laufen.

Junge Leute, halb so alt wie ich, mit kleinem Kind – ebenso unterwegs im Niemandsland. Wollen weiter nach Indien oder so. Mit Hund und Kegel und Wohnwagen. Die Ziele und Wege habe sich scheinbar seit fünfzig Jahren wenig geändert. Die Fahrzeuge auf dem Weg dahin sind auch schon in die Jahre gekommen. Mir fällt dazu ein: Mut zur Lücke.

Puh. Wo fange ich an? Wo höre ich auf?

In den Sozial-Medien fällt mir wieder mal eine Malerin meiner Heimat auf. Oh Hilfe. Die berühmte Weltretterin ist wieder am Werk! Ihre Hinweise auf die soweit gereisten Lebensmittel, die wir doch alle verzehren. Ingwer aus Peking, Tomaten aus Peru. (Ich glaube so ähnlich ging ihre Liste.) Und wir sollten uns doch bitte darüber kräftig Gedanken machen und reflektieren. Weil :: ihr wisst schon weswegen. Diese malende Blondgöttin nimmt natürlich nur Farben aus der Gegend. Und jene kommen bekanntlich aus dem nahen Stadtteil “Hölle” (ein wenig Ortskenntnis ist hier hilfreich). Sind voll Bio. Die Lacke vom Feinsten und die Farbreste sind als braune Brühe fast so gut trinkbar, wie Kaffee mit Milch. Und die zu den Ausstellungen geflogenen Kilometer sind logo, ich ahne es, Klima neutral abgegolten. Mann, Mann, Mann. Welcher Kriegsgott treibt mir da die Zornesröte auf meine gerunzelte Stirn. Oder sollte ich neidisch werden? Mit plumpen Aussagen Aufmerksamkeit erregen. Ich habe es. Erregen! Ja. Eros ist gemeint. Hätte ich ahnen können.

Welche griechischen Götter begegnen mir hier als Wiedergeburt? Was bekomme ich von ihnen letztendlich erzählt? Welche davon sind die Leidenschaft – der Humor – der Donner – die Liebe – das Leben (oh wie schön plakativ!)

Werde noch eine Wegstrecke auf mich nehmen. Vielleicht finde ich irgendwo meinen Sinn. Und ich lese weiter griechische Mythen. Vielleicht hilft es mir.

Katzen sitzen am Boden vor dem Auto

Und (m)ein Mythos für unterwegs: Sei nie ohne (d)einen Schnellkochtopf unterwegs. Weil: der schnelle und schlimme Hunger lauert an jeder Kurve – Ecke (…könnte dann Hades sein)

Ein Schnellkochtopf steht auf dem Gaskocher

3 Kommentare zu „griechische Mythologie“

  1. Hallo Udo!
    Deinen Schreibstil hast du bewahrt.
    Schön dass du in Griechenland bist. Wir werden erst im Sommer wieder Wind, Welle und Sonne genießen.
    Was sagt dir das Meer über griechische Mythen? Da können wir drüber reden, wenn du wieder im Lande bist.
    Herzlichst
    Günther

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