Betrachtungen im Cafe

Ich bin seit einiger Zeit, wahrscheinlich zwei drei Jahre, nicht mehr in dieser Stadt gewesen. Es ist sonnig draußen, sehr frisch und ich würde nicht im Freien sitzen wollen. Mein Gefühl aus der Vergangenheit passt nicht mehr in die Gegenwart. Ich hatte eine Leichtigkeit in mir. Damals. Früher. Beim Gang über die Mainbrücke habe ich festgestellt, alt geworden zu sein. Viele junge Menschen um die 20 Jahre. Mein innerliches Gefühl ist immer noch so, mein Wissen und meine Erfahrung ist gewachsen. Ich fühle mich dort nicht mehr wohl, unpassend. Ist mir gerade zu laut, zu voll.

Ich sitze inzwischen in einem Cafe in der Innenstadt. Gesprächsfetzen über Zukunft dringen an mein Ohr. Planung für Erfolg und Karriere. Menschen am Nachbartisch stehen einfach auf, gehen und hinterlassen keinen Gruß. Ist mir fremd geworden. Ich lebe lieber in meinem Garten. Sitze dort in der Sonne und höre die Vögel und das Gesumme der Insekten. Ich bin in die Stadt gegangen, weil ich dachte ein wenig entspannen zu können. Es strengt mich mehr an und ich darf üben in meiner Mitte zu bleiben. In einer Stunde habe ich einen Termin für eine Arbeit. Es geht um einen Publicity-Auftrag. Ich glaube, es lässt mich im Moment ohne Regung. Danach ist ein WordPressMeeting. Finde ich eigentlich gefärbte Haare gut? Ich weiß es nicht. Bei älteren Menschen peppt es auf und bringt ein wenig Farbe in ihr graues Sein. Bei jüngeren mißfällt es mir.

Puh – mein Gefühl der Jugend ist etwa 37 Jahre alt. Doppelt so alt, wie die meisten Sitzenden an den anderen Tischen. Bin nicht mehr in dem Fluss der Zeit. Die Stadt mit den Eindrücken und Impulsen lenkt mich ab.

unterwegs 27.11.2017

Ich habe überlegt was wichtig ist, von unterwegs zu berichten. Schöne Bilder vom Sonnenaufgang. Oder Untergang. Das Netz ist voll davon. Niemand berichtet von seinem Wasserkessel. Also ich bin sehr froh ihn zu haben. Und ihn mit als Begleiter bzw. Morgenanpfiff. Wenn Mann allein reist ist das mit der Ansprache meist wenig. Mein Wasserkessel pfeift. Richtig laut. Das finde ich gut. War erst skeptisch, ob ich so einen Gefährten brauche. Ja. Der Henkel ist Klasse. Weil der heiße Wasserdampf ist sehr unangenehm. Das gibt sehr rote Spuren mit Blasen an den Fingern. Und ich liebe heißen, frisch gebrühten Cafe am Morgen. Das ist meine Morgenkrönung. Dann noch einen Schupser Sahne dazu. Wer dann noch braunen Zucker dazu geben darf – der hat die Königskarte gezogen! Ehrlich. Yamie. Das Lied meines Wasserkessels von heute morgen summt mir noch im Ohr. Ist sozusagen ein Ohrwurm. Wer es wissen will fragt nach oder besorgt sich auch einen Wasserkessel. 🙂

 

Märchenstunde Seite 195

Heute traf ich bei einem Spaziergang im Park eine mir fremde Person. Irgendwie war sie mir sympatisch. Die Kleidung erschien mir pfiffig und gefiel mir. Das war der erste Eindruck. Die Frisur war ebenso cool. Das orange T-Shirt erinnerte mich an meine Lieblingsfarbe und auch Lieblingsfrucht. Und das Lachen dieser Person steckte an. Entgegen meiner sonstigen Weise sprach ich den Menschen an. Wir fanden den Himmel wunderbar blau und die blühenden Bäume entzückten uns ebenso. Wir stellten beide fest, dass eine Tasse Cafè gerade sehr passend wäre. Ich wohne ja um die Ecke und habe einen sonnigen Balkon mit Blick über den nahen Fluss. Ich drückte aus, dass wir dort einen frischen, heißen gebrühten Café mit Milchschaum trinken können. Die Person fand das eine gute Idee und sie habe noch zwei Hörnchen in der Tasche. Ob ich diese auch gern eintunke, weil sie mache das gern. Das erfreute mich sehr, da ich ein Hörnchentunker bin. Gesagt getan – liefen wir zu meiner Wohnung und ich mahlte einige Cafébohnen für die Espressokanne und setzte einen Topf mit etwas Milch auf die Herdflamme. Als Anrede verwendeten wir einfach das “Du”. Der Trank und die Speise waren zu Ende, die Sonne wollte um die Ecke und ich noch einkaufen. Wir hatten gelacht über unsere kleinen erzählten Witze und Anekdoten. Nun war es an der Zeit wieder seiner eigenen Wege zu gehen. Wir grinsten uns an, verabschiedeten uns, wünschten uns friedvolle Zeit und ich begleitete die Person zur Tür meiner Wohnung hinaus.

Wir behaupten von uns der Besitzer einer Willkommenskultur zu sein. Wann ist dir das letzte Mal eine solche Geschichte passiert und sind dir dann immer noch die Namen von und vor dem Ereignis sehr wichtig? Hast du das letzte Mal irgendeine fremde Person zum Tee geladen und mit ihr gelacht. Konntest du frei von Wünschen nach mehr sein? Oder hattest du Angst, dieser Mensch nimmt heimlich dein Geld und Handy mit aus deiner Wohnung? Ich bin auf meine nächste Caféeinladung erfreut und gespannt.